Nach Vaters Kiste wendet sich Lukas Bärfuss in einem bewegenden autobiografischen Essay dem Leben seiner Mutter zu – einer Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Ihr Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Der Sohn landete auf der Straße und musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und in der Rückschau stellt er sich die Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt. „Vor fünf Tagen ist sie gestorben. Infarto agudo de miocardio. Der zweite.“ Lukas Bärfuss Lukas Bärfuss , geboren 1971 in Thun. Lebt in Zürich. Dramatiker, Romancier und streitbarer Publizist. Seine Stücke werden weltweit gespielt, die Romane sind in zwanzig Sprachen übersetzt. Bärfuss ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für seine Werke wurde er u.a. mit dem Berliner Literaturpreis, dem Schweizer Buchpreis und dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen Vaters Kiste (2022) und Die Krume Brot (2023). Eine Veranstaltung des Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek in Kooperation mit dem Spielboden. Moderation: Jürgen Thaler Lukas Bärfuss · Foto © Lea Meienberg





